
Autorin: Martina Hefter
Titel: Hey guten Morgen, wie geht es dir?
Kategorie: Roman
Seitenanzahl: 224
Erschienen am 12. Juli 2024 bei Klett-Cotta
Gebunden: 22,00 Euro // E-Book: 17,99 Euro
Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5 von 5 Sternen)
Klappentext:
Juno schreibt online mit Männern, die Frauen online ihre Liebe gestehen und so versuchen, sie um ihr Geld zu bringen. Doch statt darauf hereinzufallen, werden genau diese Männer zu einer Form von Freiheit für Juno. In den Gesprächen kann sie sein, wer sie will und sagen, was sie will – und das vermeintlich ohne Konsequenzen. Ganz im Gegensatz zu ihrem sonstigen Leben, in dem sie immer unterwegs, immer besorgt um Jupiter, immer beschäftigt und eingebunden ist. Also flüchtet Juno ab und zu vor ihrem Alltag ins Internet und spielt dort Spielchen mit Männern, die sie anlügen. Sie selbst wird zur Lügnerin. Aber ist es nicht so, dass man sich beim Lügen zuallererst selbst belügt? Eines Tages trifft Juno auf Benu, der ihre Behauptungen ebenso durchschaut wie sie seine. Und trotz der Entfernung zwischen ihnen entsteht eine Verbindung. »Hey guten Morgen, wie geht es dir« ist ein tiefgehender Roman, aber so leichtfüßig wie eine Komödie.
„Spätestens da war Juno klargeworden, dass sie das alles gar nicht gespielt hatte. Sondern andersrum. Eigentlich schauspielerte sie nur dann, wenn sie nicht auf der Bühne stand. An den normalen Tagen. Da spielte sie, ein normaler Mensch zu sein.“
Auszug aus „Hey guten Morgen, wie geht es dir“
Meine Meinung zu „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“
In meinem Lese-Universum gibt es zwei Arten von Highlight-Büchern. Es gibt jene, die einen so sehr in den Bann ziehen, dass man sie in Rekordgeschwindigkeit verschlingt, weil sie einfach so unglaublich fesselnd sind. Und dann gibt es besondere Bücher, bei denen man bewusst das Tempo drosselt, um jeden einzelnen Satz zu genießen, weil sie anders sind als alles, was man bisher gelesen hat. „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ gehört zur zweiten Kategorie.
Lange Rede, kurzer Sinn: Das Buch hat mich sowohl inhaltlich als auch stilistisch absolut überzeugt. ❤️
Wovon handelt „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“
Im Mittelpunkt des Buches steht Juno, eine Performance-Künstlerin, die sich tagsüber um ihren schwerkranken Mann Jupiter kümmert. Nachts jedoch, wenn alles ruht, lenkt sie sich, geplagt von Schlaflosigkeit, mit Gesprächen auf Instagram ab – genauer gesagt, mit Kontakten zu Love-Scammern.
Falls euch das Phänomen des Love-Scamming (auch: Romance-Scam) auf die Schnelle nichts sagt: Love-Scamming beschreibt eine Masche, bei der Männer – oft aus ärmeren Ländern wie hier in diesem Buch Nigeria – Frauen vorgaukeln, in sie verliebt zu sein, um sie finanziell auszunutzen. Diese Betrüger zielen auf emotional verwundbare, zumeist ältere Frauen ab, die im schlimmsten Fall große Summen an Geld investieren und verlieren.
Doch Juno dreht den Spieß um. Anstatt auf die Manipulation hereinzufallen, erfindet sie eine eigene Online-Persönlichkeit und nutzt die Chats als Flucht vor ihrem belastenden Alltag. Denn abseits des Internets besteht ihr Leben aus der Pflege ihres Mannes, finanziellen Sorgen und der ständigen Konfrontation mit dem Älterwerden.
Echte Freundschaft oder Love-Scam?
Zu einem der Scammer – Benu aus Nigeria – entwickelt Juno allerdings nach und nach eine Art freundschaftliches Verhältnis. Doch die Grenze zwischen Online-Persönlichkeit und Realität verschwimmt. Juno und Benu chatten immer häufiger miteinander und verabreden sich sogar zu Videocalls. Irgendwann verstrickt sich Juno emotional in die Sache, wird immer offener und ehrlicher. Je tiefer sie in die Konversationen eintaucht, desto mehr fragt man sich als Leser: Wird Juno hier gerade selbst manipuliert oder entsteht wirklich eine echte Freundschaft zwischen den beiden?
Mehr als nur eine Geschichte über Love-Scamming
„Die Menschen konnten manchmal die Wahrheit schlechter verkraften als eine offensichtliche, unverschämte Lüge.“
Auszug aus „Hey guten Morgen, wie geht es dir“
„Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ geht jedoch über das Thema Love-Scamming hinaus. Das Buch behandelt auch Rassismus, kulturelle Unterschiede, die Herausforderungen, die das Leben mit körperlichen Einschränkungen mit sich bringt, die emotionale Belastung, die mit der Pflege eines Angehörigen einhergeht, und die Rolle der Frau im Alter. Besonders berührend herausgestellt fand ich die ehrliche und authentische Schilderung der emotionalen Last, die Juno durch die Pflege ihres schwerkranken Mannes trägt.
Ein ganz besonderer Stil
Martina Hefters Schreibstil ist schwer in Worte zu fassen. Am besten beschreibt man ihn als eigenwillig und originell – und genau das macht das Buch so besonders. Hefter schreibt klug, ohne besserwisserisch zu wirken, und tiefgründig, ohne den Leser mit Belanglosigkeiten zu überfordern. Ich habe beim Lesen jede einzelne Seite genossen.
Shortlist des Deutschen Buchpreises 2024
Gerade wurde bekanntgegeben, dass es das Buch auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2024 geschafft hat – und das absolut verdient! Herzlichen Glückwunsch 🎉. Ich drücke der Autorin die Daumen für den Sieg!
Fazit
Normalerweise bevorzuge ich Plot-getriebene Bücher mit einer klaren, spannenden Handlung. Doch „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ hat es geschafft, mich trotz der episodenartigen Erzählweise in den Bann zu ziehen – durch die außergewöhnlichen Themen und den besonderen Stil. Eine große Leseempfehlung meinerseits!
Ganz besonderen Dank an den Klett-Cotta Verlag und NetGalley für das kostenfreie Rezensionsexemplar.
Und nun: Viel Spaß beim Lesen!






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