
Autorin: Claire Keegan
Titel: Das dritte Licht
Originaltitel: Foster
Übersetzt aus dem Englischen von: Hans-Christian Oeser
Kategorie: Roman
Seitenanzahl: 104
Erschienen am 18. Januar 2023 bei Steidl
Hardcover: 20,00 Euro // E-Book: 12,99 Euro
Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5 von 5 Sternen)
Klappentext:
Irland, zu Beginn der 1980er Jahre: An einem heißen Sommertag liefert ein Vater seine kleine Tochter bei entfernten Verwandten auf einer Farm im tiefsten Wexford ab. Seine Frau ist schon wieder schwanger, noch ein Maul wird zu stopfen sein.
So findet sich das Mädchen bei dem kinderlosen Ehepaar John und Edna Kinsella wieder. An einem ungewohnt schönen und behaglichen Ort, wo es Milch und Rhabarber und Zuwendung im Überfluss gibt. Aber auch ein trauriges Geheimnis, das einen Schatten auf die leuchtend leichten Tage wirft, in denen das Mädchen lernt, was Familie bedeuten kann.
„An einem Sonntagmorgen, nach der Frühmesse in Clonegal, fährt mein Vater, statt mich nach Hause zu bringen, ins tiefste Wexford, zur Küste, wo die Leute meiner Mutter herkommen.“
Der erste Satz aus „Das dritte Licht“ von Claire Keegan
Worum geht es in „Das dritte Licht“?
In diesem kurzen Roman, der im ländlichen Irland der 80er Jahre spielt, geht es um ein kleines namenloses Mädchen, das von seinen Eltern zu entfernten Verwandten geschickt wird und dort das erste Mal Zuneigung, Aufmerksamkeit und Liebe erfährt. Mehr muss man eigentlich nicht wissen.
Meine Meinung zu „Das dritte Licht“
Ich kann ja kurzen Romanen gemeinhin nicht viel abgewinnen, aber dieser Roman hatte alles, was man sich von einem guten Buch wünscht: einen tollen Schreibstil, eine Geschichte, die ins Herz geht, und diese ganz besondere Stimmung, die ein gutes von einem sehr guten Buch unterscheidet.
Claire Keegan schafft es auf wenigen Seiten, psychologischen Tiefgang zu erzeugen und mit subtilen Andeutungen ein trauriges Bild zu zeichnen. Das bewusst anonym bleibende Mädchen (wir erfahren keinen Namen, was zeigt, dass das Kind in seiner Herkunftsfamilie nur eine von vielen war) hat eine feine Beobachtungsgabe, und nach und nach wird etwas in ihr zum Leben erweckt. Dieser Moment des Erkennens – So kann es auch sein?! – hat etwas Magisches.
Viel passiert logischerweise nicht auf den paar Seiten, aber das, was man als Leserin beobachtet, hat es in sich: Manchmal reicht schon so wenig, um für ein Kind einen Unterschied zu machen. Trotz der Kürze entfaltet die Geschichte eine unglaubliche emotionale Wucht, die lange nachhallt und einmal mehr zeigt, dass große Literatur nicht viele Seiten braucht.
Der Roman ist so einfach gehalten wie das dörfliche Leben in Irland zu dieser Zeit, aber nie banal – atmosphärisch dicht und vielschichtig. Eine wahnsinnig tolle Leseerfahrung und eine absolute Leseempfehlung von mir!






Schreibe einen Kommentar