
Autorin: Maud Ventura
Titel: Mein Mann
Originaltitel: Mon mari
Übersetzt aus dem Französischen von: Michaela Meßner
Kategorie: Roman
Seitenanzahl: 272
Erschienen am 05. September 2024 bei Hoffman und Campe
Hardcover: 24,00 Euro // E-Book: 18,99 Euro
Bewertung: ⭐️⭐️⭐️ (3,5 von 5 Sternen)
Klappentext:
Sie ist eine Frau, die alles hat: eine Karriere, ein schönes Haus, zwei wunderbare Kinder und den perfekten Ehemann, den sie nach 15 Ehejahren liebt wie am ersten Tag. Alles ist zu schön, um wahr zu sein. Und vielleicht ist es das auch gar nicht: Liebt auch ihr Mann sie so wie am ersten Tag? Und wird er sie immer lieben? Wie sicher kann sie sich sein? Sie will es wissen – und beginnt, ihren Mann auf die Probe zu stellen. Erst nur ein bisschen. Dann immer mehr. Und dann geht sie zu weit.
„Ich bin verliebt in meinen Mann. Oder vielleicht sollte ich besser sagen: Ich bin immer noch verliebt in meinen Mann.“
Der Anfang von „Mein Mann“ von Maud Ventura
Worum geht es in „Mein Mann“ von Maud Ventura?
Ein Wort beschreibt eigentlich alles: Obsession. In diesem Debütroman der französischen Autorin Maud Ventura begleiten wir eine Frau eine Woche in ihrem Alltag und erleben dabei hautnah, wie sie sich komplett auf ihren Ehemann fixiert – sowohl in Gedanken als auch in dem, was sie tut. Und zwar so sehr, dass es beim Lesen fast wehtut. Der Mann, mit dem sie erstaunlicherweise bereits 15 Jahre lang verheiratet ist, ist der Mittelpunkt ihres Lebens, ihrer Identität und all ihrer Handlungen. Das an sich ist schon ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass sie zwei Kinder und sogar zwei recht fordernde Jobs hat (übrigens ausgerechnet als Übersetzerin 😆 und Englischlehrerin an einem Gymnasium).
Doch was zunächst wie bedingungslose Liebe wirkt, entpuppt sich beim Lesen schon bald als besitzergreifende und obsessive Fixierung auf diesen Mann. Ihre Zuneigung zeigt sich in verstörenden Formen: Manipulation und Gaslighting sind für sie an der Tagesordnung.
Meine Meinung zum Buch
Ehrlich gesagt bin ich zwiegespalten, deshalb fällt mir auch das Schreiben dieser Rezension schwer. Das Buch ist definitiv nicht schlecht – es ist sogar ziemlich faszinierend – aber eben auch seltsam. Die Hauptfigur hat ein extrem ungesundes Verhältnis zu ihrem Mann, oder besser gesagt zur Idee einer perfekten Ehe. Sie analysiert jedes Detail ihres Lebens, weist sogar jedem Wochentag eine Farbe und eine symbolische Bedeutung zu. Da gibt es Wochentage, die sind allein aufgrund ihrer Farbe bereits zum Scheitern verurteilt, an anderen Wochentagen macht sie dann Dinge, die man so nicht erwarten würde und die einen beim Lesen dann doch sehr überraschen (ganz besonders am gelben Donnerstag 😱).
Die Identität der Ehefrau scheint vorrangig darauf ausgerichtet zu sein, jemanden darzustellen, der sie nicht ist. Außerdem wird jedes Wort von anderen, insbesondere des Mannes, auf die Goldwaage gelegt und überinterpretiert, was sehr anstrengend ist. Kurz gesagt: Sie ist manipulativ, verbittert und kreist gedanklich obsessiv um ihre Ehe.
Sympathie konnte ich für die Hauptfigur nicht aufbringen. Die Erzählung bleibt konsequent in der Perspektive dieser krankhaft fixierten Frau, wodurch das Bild sehr einseitig und, ehrlich gesagt, für meinen Geschmack etwas zu sehr schwarz-weiß wirkt. Deshalb fällt es mir schwer, das Buch mit Sternen zu bewerten. Am ehesten würde ich den Roman in die Kategorie psychologisches Kammerspiel einordnen – zwar atmosphärisch dicht, aber inhaltlich etwas einseitig.
„Mein Mann hat keinen Vornamen, er ist mein Mann, er gehört mir.“
Alles in allem eine interessante Grundidee, die bei mir jedoch ambivalente Gefühle hinterlässt. Man kann das Buch durchaus zur Hand nehmen, wenn man gerne psychologische Dramen mit einer gestörten Protagonistin liest – allerdings sollte man keine große Spannungsentwicklung erwarten.
Fazit
👍 Du solltest zu diesem Buch greifen, wenn:
– du es spannend findest, eine toxische Beziehung aus einer extrem subjektiven Perspektive zu erleben
– du gerne tief in die Psychologie der Haupfigur(en) eintauchst
– du Lust auf ein Buch hast, das überraschend anders ist
👎 Das Buch ist eher nichts für dich, wenn:
– du eine sympathische Hauptfigur und emotionale Nähe zu den Charakteren suchst
– du dich gerne mit der Protagonistin identifizierst
– du einen plotgetriebenen Thriller mit spannenden Wendungen erwartest
Vielen lieben Dank an Hoffmann und Campe und NetGalley für das kostenlose Rezensionsexemplar.
Und nun viel Spaß beim Lesen!






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