
Autorin: Céline Spierer
Titel: Bevor es geschah
Kategorie: Roman
Originaltitel: Noyade
Seitenanzahl: 256
Übersetzt: Aus dem Französischen von Sina de Malafosse
Erschienen am 16. August 2024 bei Kein & Aber
Gebunden: 23,00 Euro // E-Book: 17,99 Euro
Bewertung: ⭐️⭐️⭐️,5 (3,5 von 5 Sternen)
Klappentext:
Die ganze Familie Haynes bereitet sich auf ihr jährliches Barbecue vor. Gemeinsam mit ihren jeweiligen Partnerinnen, Partnern und Kindern machen sich alle vier Geschwister auf den Weg zu ihrem Elternhaus, wo die Mutter ihr Eintreffen erwartet. Doch statt Wiedersehensfreude dominiert die Anspannung. Denn was nach außen den Anschein einer perfekten Familie macht, ist in Wahrheit ein brodelndes Durcheinander von unausgesprochenen Rivalitäten, lang gehüteten Geheimnissen und vertuschten Niederlagen. Zwischen all den ungelösten, jahrelang angestauten Spannungen sind alle so sehr mit sich selbst und der eigenen Vergangenheit beschäftigt, dass keiner zu bemerken scheint, wie sich im sommerlichen Garten eine neue Katastrophe anbahnt.
Mein erster Eindruck zu „Bevor es geschah“ von Céline Spierer
Das Cover des Buches ist in dem minimalistischen, klaren Stil gehalten, den ich vom Kein & Aber Verlag kenne und sehr ansprechend finde. Es zeigt eine Rutsche, die in einen Swimmingpool führt – ein passendes Motiv, wenn man den Roman gelesen hat. Der Originaltitel „Noyade“ (französisch für „Ertrinken“) passt inhaltlich perfekt, weshalb ich nicht ganz nachvollziehen kann, warum man sich im Deutschen für den eher sperrigen und weniger aussagekräftigen Titel „Bevor es geschah“ entschieden hat. Aber der Verlag wird sich sicher etwas dabei gedacht haben.
Meine Meinung zum Buch
Der Klappentext klingt wirklich vielversprechend – das Drama einer lediglich nach außen hin perfekten Familie, in der sich hinter den Kulissen jede Menge Zündstoff verbirgt, gehört zu der Art von Büchern, die ich grundsätzlich gerne lese. Und tatsächlich: Der Plot hält bei diesem Buch definitiv, was er verspricht. Die „sich anbahnende Katastrophe“ schlägt direkt zu Beginn des Buches zu und hat mich vollkommen mitgerissen. Sehr gut gemacht! Ich fühlte eine Form der Machtlosigkeit, denn ich konnte ja nur tatenlos zusehen, obwohl ich so gerne ins Geschehen eingegriffen hätte.
Das ist übrigens auch der Grund, warum ich vor dem Schlafengehen nur leichte Literatur lesen kann und nichts, was mich zu sehr aufregt. Ich bin sozusagen bei Büchern (und bestimmten Themen) emotional sehr involviert.
Viele Figuren auf wenig Raum
Nun aber zurück zum Buch. Die Familiendynamik in diesem Roman ist sehr interessant und nach und nach stellt sich beim Lesen ein fast schon erdrückendes Gefühl ein – hier brodelt es unter der Oberfläche gewaltig. Denn die neueste Katastrophe zu Beginn des Buches ist lediglich das dunkle Finale einer ganzen Abfolge von falschen Entscheidungen, fragwürdigen Erziehungsmethoden und traumatischen Erlebnissen in der Kindheit und Jugend der Figuren.
Doch genau hier liegt mein Problem: Auf nur 256 Seiten wimmelt es nur so von Ereignissen und Personen – von der Matriarchin Elisabeth Hayes über ihre vier Kinder samt Partnerinnen und Partnern sowie ihrem Nachwuchs bis hin zum bereits verstorbenen Vater der Familie sowie einem zwielichtigen Onkel und diversen Nebenfiguren muss der Leser sich mit einer ganzen Bandbreite an Charakteren auseinandersetzen.
Durch die ganzen Geschehnisse kam auf keiner einzigen Seite des Buches Langeweile auf, einfach weil man wirklich über jedes der vier Kinder mehr erfährt und sich nach und nach ein erschütterndes Gesamtbild der Familie ergibt. Allerdings hätten die einzelnen Figuren jeweils mehr Raum verdient, um ihre ganze Geschichte zu erzählen.
Das Buch wäre für meinen Geschmack viel besser gewesen, wenn es länger gewesen wäre, um all diesen Persönlichkeiten gerecht zu werden. Denn wie oben bereits erwähnt, liebe ich komplexe Familiengeschichten und lasse mich gerne von richtig dicken Wälzern mitreißen, bei denen ich quasi zum Familienmitglied werde.
Auch der Schreibstil hat mich nicht ganz überzeugen können. Eine andere Rezensentin (Lileflor auf Instagram) hat den Stil als angestrengt bezeichnet und dem muss ich mich leider anschließen. Im Englischen spricht man von Overwriting und so war es auch hier. Etwas gewollt poetisch und kunstvoll, wenn man so will. Sätze wie „Emmas biegsamer und warmer Körper neben seinem schürt seine erwachende Lust“ oder „die elastische Weichheit ihrer Haut täuscht nicht“ fand ich etwas zu viel des Guten und zu dick aufgetragen. Weniger wäre hier meiner Meinung nach mehr gewesen.
Fazit
Alles in allem ist „Bevor es geschah“ eine kurzweilige Familiengeschichte mit einer durchaus packenden Handlung, die aber auf zu wenigen Seiten erzählt wird. Die zahlreichen Figuren im Buch hätten mehr Tiefe verdient, und der Schreibstil war mir persönlich zu überambitioniert. Wer jedoch ein kompaktes Drama mit Spannung sucht, für den ist dieses Buch genau das Richtige.
👍 Das Buch ist die passende Lektüre für dich, wenn:
– du gerne Geschichten über familiäre Geheimnisse und Dynamiken liest
– du dramatische Handlungen magst, die dich sofort in den Bann ziehen
– dir kurze Romane lieber sind als dicke Wälzer
👎 Du solltest das Buch lieber nicht lesen, wenn:
– du tiefgründige Charakterentwicklungen bevorzugst
– ein überladen wirkender, angestrengter Schreibstil nicht dein Fall ist
– dich viele Figuren auf wenig Raum schnell überfordern
Kennt ihr das Buch oder andere Romane aus dem Kein & Aber Verlag? Lasst mir gerne einen Kommentar da oder schreibt mir eine Nachricht 🎉!






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