
Autorin: Daniela Krien
Titel: Mein drittes Leben
Kategorie: Roman
Erschienen am 21. August 2024 beim Diogenes Verlag
Gebunden: 26,00 Euro // E-Book: 22,99 Euro
Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5 von 5 Sternen)
Klappentext:
Sie hat alles gehabt und alles verloren: Sekunden der Unachtsamkeit kosten ihre einzige Tochter das Leben. Tief sieht Linda in den Abgrund und wäre beinahe gefallen, doch da sind hauchfeine Fäden, die sie halten – die Hündin Kaja, die steten Handgriffe im Garten, das Mitgefühl für andere. Wie viel Kraft in ihr steckt, ahnt sie erst, als sie zurückfindet in einen Alltag und zu sich selbst.
„Kann man wieder glücklich werden?“, frage ich sie.
Aus Mein drittes leben von Daniela krien
„Ja“, sagt sie nach längerem Zögern. „Aber es ist eine andere Art von Glück. Wie soll ich sagen … Es hat Tiefe, aber keine Leichtigkeit.“
Meine Meinung zu „Mein drittes Leben“ von Daniela Krien
Als ich das Buch zuklappe, muss ich erst einmal innehalten. Mir bewusst machen, was ich gerade gelesen habe. Meine Gedanken sortieren und mich daran erinnern, dass es Fiktion war. Beim Lesen drängte sich mir immer wieder eine große Frage auf: Wie viel Leid kann ein einzelner Mensch ertragen?
„Mein drittes Leben“ ist ein niederschmetterndes, aber so verdammt gut geschriebenes Buch, das sich durch eine feine Beobachtungsgabe auszeichnet. Für mich gehört Daniela Krien mit ihren bisherigen Romanen zu den besten Gegenwartsautorinnen Deutschlands, und ihr neuestes Buch zeigt einmal mehr, warum das so ist. Eine große Leseempfehlung von meiner Seite!
Worum geht es in dem Buch?
Zwei Jahre sind vergangen, seit das Unfassbare geschehen ist. In diesem mit 304 Seiten vergleichsweise schmalen Roman begleiten wir Linda, eine Frau in der Mitte ihres Lebens, nach dem Tod ihrer 17-jährigen Tochter Sonja. „Die Trauer ist übermächtig und bodenlos“, heißt es im Klappentext, und diese Bodenlosigkeit war beim Lesen dauerhaft zu spüren. Wie macht man weiter, wenn solch ein lebenseinschneidendes Unglück passiert? Wie bewältigt Sonjas Vater, Lindas Ehemann Richard, die Trauer? Und wie wirkt sich der unterschiedliche Umgang mit dem Schmerz auf ihre Beziehung aus? Können sie es schaffen, wieder ins Leben zurückzufinden?
Und wie hat es mir gefallen?
Dieses Buch ist Weltklasse. Daniela Krien gelingt es, auf wenigen Seiten eine Achterbahnfahrt der Gefühle herbeizuführen. Auf der einen Seite steht der Schmerz, die allumfassende Trauer, die den Rest des Lebens sinnlos erscheinen lässt. Auf der anderen Seite sind da die alltäglichen Situationen, das Kämpfen um ein Zurückfinden ins Leben, und die Begegnungen mit anderen Menschen, die alle ihr eigenes Päckchen zu tragen haben.
Die Charaktere, die Daniela Krien hier geschaffen hat, sind so vielschichtig, dass jeder von ihnen eigentlich ein eigenes Buch verdient hätte. Es sind Menschen wie du und ich, selbst betroffen von Schicksalsschlägen und mit einer jeweils ganz eigenen Art mit diesen umzugehen. Besonders beeindruckend gezeichnet fand ich Natascha mit ihrer autistischen Tochter Nine.
„Im fahlen Winterlicht dieses Januartages sitze ich am Küchenfenster, trinke frischen Ingwertee mit reichlich Honig und sehe in den Hof hinaus. Hell wird es seit Wochen nicht. Ein gleichmäßiges Grau hängt über der Gegend und schluckt jeden Übermut; es dämpft die Empfindungen, die guten wie die schlechten. Ich fühle etwas, doch dieses Etwas will nicht hoch hinaus. Es ist ein kleines, unscheinbares und doch lebenserhaltendes Glimmen.“
Aus Mein drittes leben von Daniela krien
Die Sprache von Daniela Krien ist unprätentiös, bringt jede Emotion auf den Punkt und sagt nie zu viel, wenn es nicht notwendig ist. Das Buch hat mich tief bewegt, auch wenn es mir fast einen Hauch zu niederschmetternd war. Das nur als Warnung für alle, die sich mit solchen Themen schwertun. Trotzdem: Sehr verdiente 5 Sterne und mein bisheriges Monatshighlight im August 2024!
Übrigens wurde „Mein drittes Leben“ gerade erst auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2024 gesetzt. Herzlichen Glückwunsch zur Nominierung! 🙂 Ich drücke Daniela Krien die Daumen für den Gewinn am 14. Oktober 2024 auf der Frankfurter Buchmesse.
Wer ist eigentlich Daniela Krien?
Daniela Krien, geboren 1975 in der ehemaligen DDR, ist eine der bedeutendsten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur. Ihr Romandebüt „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ erschien 2011, gefolgt von weiteren Bestsellern wie „Die Liebe im Ernstfall“ (2019) und „Der Brand“ (2021). Ein tief berührendes Interview mit ihr ist 2019 im Tagesspiegel erschienen, in dem sie über ihren persönlichen Schicksalsschlag spricht – eine ihrer beiden Töchter ist aufgrund eines Impfschadens schwer behindert – und darüber, wie sie zum Schreiben kam. Sehr lesenswert!
Fazit
👍 Du solltest dieses Buch unbedingt lesen, wenn:
– du literarische Tiefe und starke Emotionen schätzt
– du bereit bist, dich mit den großen Fragen des Lebens auseinanderzusetzen
– du Interesse an vielschichtigen Charakteren hast, die authentisch und lebensnah wirken
👎 Das Buch ist eher nichts für dich, wenn:
– du leichtere, unterhaltsame Lektüre suchst
– du dich schwer mit Themen wie Trauer und Verlust tust
– du einen Roman bevorzugst, der weniger emotional aufwühlend ist
Das Buch wurde mir vom Diogenes Verlag über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür! Ich hoffe, dass meine Rezension euch neugierig gemacht hat und ihr das Buch genauso gut findet wie ich. Lasst mir nach dem Lesen gerne einen Kommentar da und verratet mir, wie euch das Buch gefallen hat und wer eure Favoriten beim Deutschen Buchpreis 2024 sind.






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