
Autorin: Ann Patchett
Titel: Der Sommer zu Hause
Kategorie: Roman
Originaltitel: Tom Lake
Übersetzt: Aus dem Englischen von Ulrike Thiesmeyer
Erschienen am 03. Mai 2024 beim Berlin Verlag / Piper
400 Seiten, Hardcover: 26,00 Euro // E-Book: 21,99 Euro
Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️ (4 von 5 Sternen)
Klappentext:
Wie findet man das Glück, das ein Leben lang hält
Es ist Frühling im nördlichen Michigan. Laras drei erwachsene Töchter kehren auf die elterliche Obstfarm zurück. Bei der Kirschernte bitten sie ihre Mutter, ihnen die Geschichte von Peter Duke zu erzählen, dem weltberühmten Schauspieler, mit dem sie vor Jahren in einer Theatergruppe namens Tom Lake gemeinsam auftrat – und mit dem sie eine stürmische Liebesgeschichte erlebte. Durch Laras Erinnerungen an ihre Jugend sehen die drei Töchter sich herausgefordert, nicht nur die Beziehung zu ihrer Mutter, sondern auch jeweils ihr eigenes Leben kritisch zu überprüfen und liebgewonnene Ansichten und Gewissheiten neu zu denken.
Meine Meinung zu Der Sommer zu Hause von Ann Patchett
Ein einfühlsamer und berührender Wohlfühlroman über die erste Liebe, Enttäuschungen und die Kunst, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ann Patchett glänzt hier wie gewohnt in ihrem charakteristisch unaufgeregten Stil und nutzt geschickt die Zeit des Lockdowns während der Corona-Pandemie als Kulisse für die Handlung des Romans.
Ich habe das Buch bereits vor ein paar Tagen beendet, war mir aber nicht sicher, ob ich 3,5 oder 4 Sterne vergeben soll. Am Ende sind es 4 Sterne geworden, weil ich das Buch – trotz meiner Kritik (siehe unten) – relativ schnell durchgelesen habe. Die Autorin versteht etwas von der Kunst des Schreibens und hat es geschafft, mich mit ihrem flüssigen Stil zu überzeugen. Besonders gelungen fand ich die Art und Weise, wie sie die Emotionen der Figuren einfängt und die Atmosphäre der Lockdown-Zeit schildert.
Der erste Eindruck
Das Cover mit den Gänseblümchen ist gestalterisch sehr gelungen und fällt sofort ins Auge. Ein Buch, das ich aufgrund des ansprechenden Einbands (ich habe es als E-Book gelesen) sicher auch im Laden gekauft hätte. Der Klappentext klingt vielversprechend und trifft genau meinen Geschmack. Auch der Titel passt gut zum Inhalt, schließlich verbringen die Hauptfiguren ihren Sommer gezwungenermaßen zu Hause 🙂.
Da ich Ann Patchetts Schreibstil und einige ihrer Geschichten kenne (und schätze), bin ich mit bestimmten Erwartungen an ihren neuen Roman herangegangen, die das Buch größtenteils erfüllen konnte.
Rezension
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen: In der Gegenwart, genauer gesagt während der Corona-Pandemie, auf der Obstplantage von Lara und Joe und 33 Jahre zuvor unweit der Farm im Sommertheater in Tom Lake. Die äußeren Umstände im Frühjahr 2020 zwingen Laras drei erwachsene Töchter Emily, Maisie und Nell, auf die Farm der Familie im Norden Michigans zurückzukehren, um dort zusammen den Lockdown zu verbringen. Die 57-jährige Lara nutzt die viele Zeit, die sie nun gemeinsam haben, um ihren Töchtern von ihrer Liaison mit dem berühmten Hollywood-Schauspieler Peter Duke zu berichten – und zum ersten Mal erzählt sie, wie es damals wirklich war.
Ann Patchett war mir schon ein Begriff, da ich bereits zwei ihrer Romane, „Das Holländerhaus“ und „Bel Canto“, gelesen habe. Beide Bücher haben mir damals sehr gut gefallen – ironischerweise habe ich sie zur Zeit der Pandemie gelesen.
Dass das hier rezensierte Buch nun während der Pandemie angesiedelt ist, hat mich überrascht, aber nicht gestört. Ich würde nicht bewusst ein Buch wählen, das mitten in den Lockdowns spielt, aber hier passte es erstaunlich gut und lieferte, wie schon erwähnt, den Rahmen für Laras Geschichte.
„Es war ein banger Frühling für die Welt, obwohl er von unserem Küchenfenster aus nicht viel anders wirkte als jeder andere Frühling im Norden von Michigan: nass und regnerisch und kalt, gefolgt von einem schweren, späten Schneefall, einer plötzlichen Wärmeperiode, und dann das Schauspiel von blühenden Bäumen.“
Aus „Der Sommer zu Hause“ von Ann Patchett
Die Stimmung auf der Farm ist gemütlich und einladend. Ann Patchett vermittelt diese Atmosphäre so gut, dass man Lust bekommt, bei milden Frühlingstemperaturen auf Omas Hollywoodschaukel zu liegen – das Summen der Insekten im Ohr – und selbst gepflückte Kirschen zu naschen. Diese Idylle im Buch wirkt fast ein wenig zu harmonisch – nur einmal platzt Vater Joe der Kragen. Und das seltsamerweise nicht, als Lara von ihren Gefühlen für einen anderen Mann erzählt 😉 .
Wer gerne über Familienstreitigkeiten, Spannungen zwischen Familienmitgliedern und tiefgreifende, Generationen andauernde Konflikte liest, wird bei dieser Lektüre wahrscheinlich enttäuscht sein, denn ein richtiges Drama ist das Buch nicht. Ich würde es eher als Cozy Read bezeichnen, also als langsame, gemütliche Erzählung – trotz des Settings mitten in der Pandemie. Denn gerade durch die Langsamkeit der Geschehnisse im Buch wird genau das Gefühl transportiert, das damals während der Corona-Zeit vorherrschte, als die Welt komplett zum Stillstand kam. Aus dieser Perspektive betrachtet, bietet das Buch wirklich ein interessantes Leseerlebnis.
Geschickt verwebt die Autorin die Gegenwart mit der Vergangenheit, wobei an dieser Stelle auch mein Kritikpunkt liegt: Die ständigen Referenzen zum Theaterstück „Unsere kleine Stadt“ mit den dazugehörigen Figuren in Laras Jugend sind wirklich sehr frustrierend, wenn man das Stück nicht kennt. Ich persönlich fand diese Passagen im Theater, die ja doch einen Großteil der Handlung ausmachen, nach einigen Wiederholungen nur noch langweilig und ermüdend. Aus diesem Grund hat mir die Zeitebene in der Gegenwart weitaus besser gefallen.
Der Aufbau des Buches an sich ist aber gelungen und nach einem langsamen (aber keineswegs langweiligen) Start nimmt die Geschichte zur Mitte hin sogar ein wenig an Fahrt auf. Es gibt einige unerwartete Wendungen, die mich sehr überrascht und gefreut haben.
👍 Du solltest das Buch lesen, wenn:
– du es magst, in Familiengeschichten einzutauchen
– du gerne Erzählungen auf mehreren Zeitebenen liest
– dir ein langsamer Plot-Aufbau nichts ausmacht
👎 Lass lieber die Finger von diesem Buch, wenn:
– du keine Lust auf eine Handlung hast, die in der Corona-Pandemie spielt
– du actionreiche und spannungsgeladene Geschichten bevorzugst
– dich ein ruhiger gemächlicher Schreibstil schnell langweilt
Fazit
Ein gutes Buch, für das man meiner Meinung nach allerdings in der richtigen Stimmung sein muss. Es ist eine Geschichte, die sich eher durch ihre gelungene Atmosphäre und die subtilen Zwischentöne auszeichnet, weniger durch rasante Handlungsstränge oder dramatische Wendungen.
Danke an NetGalley und den Berlin Verlag (Piper), die mir das Buch freundlicherweise als Leseexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung wurde davon nicht beeinflusst.






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