
Autorin: Caroline Rosales
Titel: Das Leben keiner Frau
Kategorie: Roman
Seitenanzahl: 240
Erschienen am 30. August 2021 bei Ullstein
Taschenbuch: 13,99 Euro // E-Book: 11,99 Euro
Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5 von 5 Sternen)
Klappentext:
Melanies Fünfzigster ist ein rauschendes Fest. Die angesehene Journalistin lässt sich – wie schon so oft – ganz groß feiern. Doch was auf das große Fest folgt, ist die ganz große Katerstimmung. Mels Mutter braucht Hilfe. Ihre Tochter will auf keinen Fall Karriere machen. Ja, und die Männer. Mels Chef fördert eine junge Kollegin. Ihr Party-Flirt redet im Büro schlecht über sie. Ihr Exmann wird Vater. Mel hat in ihrem Leben alles richtig gemacht. Doch jetzt ist sie nur noch wütend. Ein Buch über die Fallstricke der Emanzipation und den Fluch, alles zum ersten Mal zu machen.
Der erste Satz
»Herr Gottwald, es wird heute Abend laut. Sehr laut. Und
Kapitel 1 aus „Das Leben keiner Frau“
wenn es Sie stört, müssen Sie runterkommen und mitfeiern.«
Worum geht es eigentlich?
Melanie führt ein scheinbar perfektes Leben in München: Karriere als Journalistin, mittlerweile sogar stellvertretende Chefredakteurin, attraktiv, zwar geschieden, aber noch immer gefragt bei den Männern. Doch genau zu ihrem 50. Geburtstag beginnt die schöne Fassade zu bröckeln wie das Make-up nach einer durchzechten Partynacht. Ihre Affäre mit einem Kollegen endet in unschönem Büro-Tratsch, ihre Kolumne wird an eine jüngere Kollegin gegeben und das Verhältnis zu ihrer Familie ist alles andere als harmonisch. Inmitten dieser Krisen gerät Melanies Leben ganz schön ins Straucheln.
Meine Meinung
Caroline Rosales schreibt zynisch und unverblümt über Melanies Kämpfe – sowohl die inneren mit sich selbst, als auch die äußeren mit Menschen, die ihr nahestehen. Die Tochter wählt bewusst ein anderes Lebensmodell als Melanie und ist zufrieden als Hausfrau und Mama eines kleinen Sohnes. Melanies eigene Mutter hingegen braucht immer mehr Unterstützung und Hilfe im Alter. Auch im Beruf gerät einiges ins Wanken und mit den Männern lief es auch schonmal besser.
Ursprünglich wollte ich Rosales’ neues Buch Die Ungelebten lesen, habe mich aber dann für ihr Romandebüt entschieden. Denn ich mag es derzeit sehr, Backlist-Titel zu entdecken – manchmal verstecken sich gerade dort wahre Schätze. Und ich wurde mit „Das Leben keiner Frau“ nicht enttäuscht.
Alte weiße Frau statt alter weißer Mann
Das Buch hat mir besonders gefallen, weil die Hauptfigur eben keine Sympathieträgerin ist. Melanie ist unzufrieden mit ihrer Situation, ja fast schon verbittert und daher nicht besonders nett zu anderen Frauen, vor allem nicht zu solchen mit anderen Lebensmodellen. Das Buch tut ein bisschen weh, weil man sich fragt: Will man so enden? Aber genau das macht es so authentisch. Wir haben es vielleicht nicht ganz in der Hand, wie wir altern, aber ob wir uns vom Frust und gesellschaftlichen Erwartungen unterkriegen lassen, liegt doch irgendwie an uns.
Besonders gelungen fand ich die Kontraste zwischen den drei Generationen in Melanies Familie. Ihre Mutter, die als junge Frau ganz eigene Träume und Ziele hatte und jetzt im Alter auf Unterstützung angewiesen ist, und ihre Tochter, die sich aus Karriere nicht viel macht und sich stattdessen lieber ihrem Leben als Hausfrau widmet, zeigen, wie unterschiedlich Lebenswege sein können. Die daraus entstehenden Konflikte sind spannend und animieren beim Lesen dazu, die eigene Perspektive mal zu hinterfragen.
Der Schreibstil von Rosales ist flüssig und amüsant. Die überspitzten Darstellungen und der Zynismus haben für mich genau ins Schwarze getroffen. In einigen Rezensionen wurde das als klischeebeladen kritisiert – mir persönlich hat es gefallen. Insgesamt ein echtes Highlight für mich, das ich euch nur ans Herz legen kann!
Fazit
👍 Du solltest dieses Buch unbedingt lesen, wenn:
– du eine hohe Dosis Zynismus verträgst
– du keine klassische Sympathieträgerin brauchst
– dich die Themen Älterwerden und Frausein in unserer Gesellschaft interessieren
👎 Das Buch ist eher nichts für dich, wenn:
– du unsympathische Hauptfiguren nicht ertragen kannst
– du eine leichte, optimistische Wohlfühllektüre suchst (das Buch tut weh!)
– dich überspitzte Darstellungen stören
Kennt ihr das Buch schon? Wenn ja, wie hat es euch gefallen? Hinterlasst gerne einen Kommentar.
Und nun viel Spaß beim Lesen! 🙂






Schreibe einen Kommentar